Lahore, Pakistan

Lahore – das Herz Pakistans

Lahore ist das kulturelle und historische Zentrum Pakistans. Die heutige Millionenstadt blickt auf eine ereignisreiche Geschichte zurück: zahlreiche Könige, Kaiser und Religionsstifter prägten ihre Kultur und Traditionen. Auch deshalb gehört ein Besuch Lahores zu allen Pakistanreisen dazu.

Moguln, Sikhs und Briten

Das Gebiet um Lahore ist seit 4000 Jahren von Menschen bewohnt. Die Blütezeit wurde aber mit der Ankunft des Islam im indischen Subkontinent eingeläutet: im elften Jahrhundert wurde Lahore von den Gaznaviden – einer türkischstämmigen Dynastie – eingenommen und zur zweiten Hauptstadt des Reiches gemacht. Später kamen die Mumluk- und Tuggluq-Dynastie an die Herrschaft.

Dieser ständige Machtwechsel fand erst im 16. Jahrhundert sein Ende, als die Moguln Nordindien einnahmen. Akbar, der dritte Großmogul, machte Lahore zur Hauptstadt des Mogulreiches. Aus dieser Periode stammen einiger der imposantesten Bauwerke, so z. B. das Lahore Fort. Ungefähr zur gleichen Zeit lebte auch Guru Ram Dass, der vierte von zehn Gurus des Sikhismus, in Lahore. Zweihundert Jahre später sollte Lahore zur Hauptstadt des kurzlebigen Reich der Sikhs werden. Als die Macht der Moguln zu schwinden begann, nahm Ranjit Singh, der „Löwe vom Punjab“, große Gebiete des Punjabs ein. Erst mit Ankunft der Briten ging das Sikh-Reich im 19. Jahrhundert unter.

Die britischen Kolonialherren bauten Lahore aus, und machten es zu einem wichtigen Verwaltungszentrum für Nordindien. Während der Unabhängigkeitsbewegung Indiens nahm Lahore einen bedeutende Rolle ein, beherbergte sie doch viele Freiheitskämpfer, Intellektuelle und Schriftsteller. 1940 wurde die Lahore-Resolution unterzeichnet, die die Trennung in Indien und Pakistan herbeiführte.

Seit der Teilung Indiens 1947 ist Lahore die bedeutendsten Stadt des pakistanischen Punjabs. Während Islamabad die Hauptstadt und Karachi die größte Stadt ist, schlägt das Herz Pakistans in Lahore – kein Wunder, bei dieser reichen Vergangenheit!

Sehenswürdigkeiten in Lahore

Badshahi Moschee, Lahore, Pakistan
Badshahi-Moschee

All die Herrscher und Besetzter, all die Geschichte hat ihre Spuren hinterlassen. Heute ist eine Reise durch Lahore auch eine Reise durch die letzten fünf Jahrhunderte. Die beeindruckende Badshahi-Moschee wurde von dem Großmogul Aurangzeb vor fast 400 Jahren errichtet. Sie ist eine der größten Moscheen des Subkontinents, und weist große stilistische Ähnlichkeiten mir der Jama Masjid in Delhi auf. Bis zu 100.000 Menschen finden hier Platz, vor allem in dem riesigen ummauerten Innenhof.

Gegenüber der „kaiserlichen Moschee“ befindet sich das Fort von Lahore. Es wurde mehrmals zerstört und wieder errichtet, so z. B. von verschiedenen Sultanwdynastien und Großmoguln. Die heutige Form des Forts besteht seit dem 16. Jahrhundert, als Kaiser Jahangir bedeutende Renovierungen vornehmen ließ. Später wurde es von den Marathen, einer hinduistischen Kriegerkaste, und von Sikharmeen eingenommen. Im Inneren des Forts befinden sich gepflegte Gärten, königliche Gemächer und reich verzierte Pavillons. Auch das Sheesh Mahal („Kristallpalast“) verzaubert mit seinen ganz aus Diamanten und kleinen Spiegeln bestehenden Wänden und Decken.

Lahore ist seit dem elften Jahrhundert eines der Zentren des südasiatischen Sufismus. Im Data Darbar, einem heiligen Sufischrein, befindet sich das Grab von Ali Hujwiri, einem bedeutenden Dichter und Mystiker. Er hat stark bei der Verbreitung des Islam und Sufismus im indischen Subkontinent mitgewirkt, und ist der Schutzheilige der Stadt. Der Data Darbar ist eines der kulturellen und religiösen Zentren Pakistans. Jeden Tag kommen bis zu 60.000 Gläubige, um hier zu beten, während des jährlichen Urs-Festivals sogar eine Millionen. Jeden Donnerstag wird bis spät in die Nacht musiziert und getanzt – eine wichtige Tradition des Sufismus in Pakistan und Indien.

Kirchen, Moscheen, Tempel

Die Heilig-Herz-Kathedrale wurde von den Briten gebaut, und beeindruckt durch ihren römisch-byzantischen Stil. Die Wazir-Khan-Moschee aus dem 17. und die Neevin-Moschee aus dem 15. Jahrhundert sind zwei weitere bedeutende Gotteshäuser in Lahore. Auch Hindutempel sind in der Stadt zu finden, so z. B. der Lavatempel. Das Lahore Museum zählt zu den wichtigsten in ganz Südasien, und beherbergt unter anderem buddhistische und indo-griechische Artefakte.

Vor allem aber sind es die engen Gassen, die bunten Bazare der Altstadt, die einem jeden Besucher in Erinnerung bleiben. Die „Walled City of Lahore“ ist chaotisch und laut, doch ihre Händler und Bewohner sehr gastfreundlich und neugierig. Hier werden traditionelle Gewänder und Gewürze, Schmuck und Trockenfrüchte verkauft, aber auch Handys und leckeres Streetfood.

Sheesh Mahal im Lahore Fort
Sheesh Mahal im Lahore Fort

Gerade als westlicher Tourist wird man mit offenen Armen aufgenommen, und sicherlich zu dem einen oder anderen Chai eingeladen, den man mit Blick auf Jahrhunderte alte Paläste und Moscheen trinkt. Und genau dies macht Pakistan zu einem so schönen Reiseziel: seine reiche Kultur und die herzerwärmende Gastfreundschaft der Pakistani!

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